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das kaloriferwerk hugo junkers
1895 gruendet hugo junkers die junkers & co. in dessau
und 1908 das kaloriferwerk hugo junkers in aachen.
1910 existiert die abteilung kalorifer und die abteilung kalorimeter als bestandteil der junkers & co. in dessau.
auf einem 1919 erworbenen fabrikgrundstueck an der coethener strasse in dessau wird 1920 das kaloriferwerk hugo junkers gegruendet.
die urspruengliche produktion der kaloriferen (waermeaustauscher) wird um die herstellung von heizungs- und lueftungsapparaten ergaenzt.
ein weiteres arbeitsgebiet entsteht mit der abteilung junkers-lamellenbau (1921) und der abteilung stahlbau (1924).
neben den lamellendaechern werden hallenkonstruktionen, stahlskelettbauten, bruecken, stahlmoebel, tueren und tore sowie ganzmetallhaeuser entwickelt und produziert.
im juli 1932 wird das kaloriferwerk hugo junkers in eine gmbh umgewandelt. im dezember des gleichen jahres verkauft hugo junkers seine firma junkers & co. an die robert bosch ag in stuttgart. die abteilung der kalorimeter-messinstrumente bleibt bei dieser veraeusserung unangetastet und wird als kalorimeterbau hugo junkers gmbh 1933 auf das gelaende des kaloriferwerkes hugo junkers gmbh umgesetzt.
diese beiden werke und die abteilung stahlbau bleiben nach der enteignung hugo junkers durch den staat im jahr 1933 in seinem besitz. auf druck der nationalsozialisten muss er dessau verlassen und widmet sich in der forschungsanstalt prof. junkers gmbh in muenchen ganz der metallhausforschung.
er verstirbt 1935 und therese junkers wird alleinerbin.
durch den wegfall des gleisanschlusses wird die abteilung stahlbau von 1938 bis 1940 auf ein grundstueck noerdlich der junkersstrasse verlegt.
bei einer juristischen umbildung der werke therese junkers entsteht 1941 die hugo junkers werke gmbh in muenchen. diese firma umfasst das werk kaloriferbau, das werk kalorimeterbau und das werk stahlbau in dessau sowie das werk motorenbau in muenchen.
ab 1943 produzieren die werke direkt fuer die kriegsruestung und auf dem gelaende des kaloriferwerkes werden baracken fuer ueber 500 zwangsarbeiter errichtet.
die dessauer werke der hugo junkers werke gmbh werden 1945 zu 80 % zerstoert und gehen 1946 in volkseigentum ueber.
von 1947 bis 1990 stellt der veb junkalor dessau mess-, steuer- und regelungstechnik fuer die industrie her.
1996 wird das werk geschlossen.

lamellenhalle
kaloriferwerk hugo junkers, abteilung stahlbau
1929 (erweitert 1936)
nach einem patent hugo junkers von 1924
entwickelt aus der strebe von flugzeugtragdecks
nutzflaeche: 900 qm
die rundbogenhalle mit einem flaechentragerk aus stahllamellen wurde im kaloriferwerk entwickelt, hergestellt und weltweit exportiert.
walter gropius praegte fuer diese konstruktion den ausdruck „schoenheit der technik“.
die bauweise geht zurueck auf ein patent friedrich zollingers von 1906, der sie in holz ausfuehrte.
die hauptsaechlich fuer flugzeughangars gedachte halle besteht aus drei konstruktiven elementen: der lamelle, dem knotenblech und der pfette.
neben sonderanfertigungen lieferte das kaloriferwerk
fuenf typen der halle mit verschiedenen spannweiten (hier der typ 11 mit einer spannweite von 25 m).
sie wurde als flach-, rund- und spitzbogen ausgebildet. in dessau finden sich unter den fuenf noch existierenden lamellenkonstruktionen alle varianten:
- auf dem junkalor-gelaende von 1929 mit rundbogen
- das bootshaus am leopoldhafen von 1930 mit spitztonne
- der kleine hangar am flughafen von 1933 mit rundbogen
- die zwei lamellendaecher des wasserwerkes mit
flachtonne und zugstangen
die halle bildet mit dem verwaltungsgebaeude eine einheit als ausdruck der hochbauabteilung des kaloriferwerkes und der metallarchitektur der junkers-werke in dessau.

verwaltungsgebaeude
kaloriferwerk hugo junkers gmbh
1936/37
stahlskelettbau mit geplanter, nicht realisierter metallfassade nach einem patent hugo junkers von 1928
entwickelt aus der metallbeplankung von ganzmetall-flugzeugen
nutzflaeche: 900 qm buero, 285 qm dachterrasse
beteiligt an der planung sind das kaloriferwerk, abteilung stahlbau (erich haenze und wilhelm klingenberg), karl schmidt (architekt) und heinrich ehmsen (kuenstler).
das dreigeschossige gebaeude wurde aufgrund der durch-fuehrung der altener strasse durch das fabrikgelaende gebaut und bildete den auftakt zu den junkers-werken nach westen.
es besteht aus einem von der abteilung stahlbau produzierten stahlskelett mit vorgehangener klinkerfassade.
die geplante und hier gezeigte metallfassade wurde zur entstehungszeit des verwaltungsgebaeudes von der baupolizei verboten.
die besonderheit der junkerschen metallhaeuser ist die verwendung von extrem duennen, aus gruenden der statik nach innen gewoelbten blechen in doppelwandbauweise. sie entspringen intensiver wissenschaftlicher forschung und zeigen eine schoenheit, die an die kannelierung der dorischen saeule erinnert.
das baufaellige gebaeude koennte in dieser form saniert werden, um als beispiel fuer die innovation der junkerschen metallhausforschung in dessau zu dienen.
ein einfamilienhaus mit metallhaut von 1931 wurde 1935 nach muenchen versetzt und ist heute im technikmuseum hugo junkers in dessau zu sehen. die beiden versuchsbauten in dessau von 1929 (farbspritzhalle und tennisklubhaus) existieren nicht mehr.

wohnhaus
dampfziegelei franz thiemicke
um 1890
regionaltypischer ziegelbau
nutzflaeche: 385 qm
das kleine ziegelgebaeude besteht aus einen uebergiebelten mittelrisalit mit querhaus und ist mit ziegelornamentik geschmueckt.
der ehemals symmetrische bau ist nach sueden erweitert und erst mit der durchfuehrung der altener strasse an die strassenfront gerueckt.
es ist das letzte zeugnis der vier industriellen ziegeleien an der junkersstrasse, die mit der gesteigerten nachfrage der grossindustrie entstanden sind.
bis 1939 war die ziegelei in betrieb. der ringofen und der schornstein sind im selben jahr fuer die erweiterung der kalorimeterbau hugo junkers gmbh abgerissen worden. der zum gleichen zweck umgebaute pferdestall ist noch teilweise zu erkennen.
das ehemaliges wohnhaus sollte unter schutz stehen und nicht als industriebrache einem abriss zum opfer fallen.
bedeutsam fuer die stadtstruktur ist es auch als eines der aeltesten bauwerke zwischen zentrum und dessau-alten.

buero- und fabrikgebaeude
anhaltische holzindustrie ag
um 1897
gruenderzeitliche fabrikzeile
nutzflaeche: 1.640 qm
die ehemals 140 m lange zeile aus ziegelmauerwerk mit klaren repetativen rhythmus wurde an der nordseite aufgrund der projektierten durchfuehrung der altener strasse ende der 1930er jahre um 25 m rueckgebaut.
hier schlagen wir einen weiteren rueckbau der giebel bis zu den treppenhaeusern und eine freie rekonstruktion der fassade vor.
das gebaeude ist trotz mehrfacher um- und anbauten in seiner grundstruktur gut erhalten, es wurde von verschiedenen betrieben genutzt und besitzt flexible grundrisse.

montagehalle
anhaltische automobil- und motorenfabrik ag
1913
stahlhalle mit jugendstilgiebel
nutzflaeche: 3.300 qm
die dreischiffige halle mit erhoehtem mittelschiff besteht aus einer reihung filigraner fachwerktraeger (dreigelenkrahmen mit seitlichen kragarmen, gelagert auf mauerpfeilern).
zusammen mit dem schmuckgiebel der nordseite ist so eine harmonische verbindung von mauerwerk und stahlbau erreicht.
das gebaeude zeigt alle merkmale der uebergangszeit und ist auch fuer das gelaende der mittler zwischen der reinen steinarchitektur und der reinen stahlarchitektur.
es ist eines der wenigen noch erhaltenen bauwerke des jugendstils in der stadt und war als hochmoderne autofabrik gegruendet.
mit diesem bauwerk besitzt die stadt die letzte noch erhaltene produktionsstaette von flugzeugen in dessau.